Hamburg, d. 27.06.1944 (Bericht an den Ältermann)
Am 27.06.1944 um ca. 15 Uhr kam ich bei Brunsbüttel als Lotse an Bord des dän. Dampfers "Marianne Toft", welcher sich auf einer Reise von Emden nach Hamburg befand. Das Schiff hatte einen Sperrballon mit drei Mann an Bord. Wir trieben mit der Flut langsam elbaufwärts.

Lotsenboot vor Elbe 3, 1930er
Lotsenversetzboot in der Elbmündung beim Feuerschiff "Elbe 3" (Ende der 1930er)

Nachdem zwei vorausfahrende Schiffe ihren Ballon an ein kleines Fahrzeug abgegeben hatten, mußte dieses Fahrzeug seine zwei Ballons an Land abgeben, um dann wieder zu uns zu kommen, was ein bis zwei Stunden gedauert hätte, deshalb winkte uns dieses Fahrzeug zu, weiterzufahren.

Der Kapitän wollte auch weiter und wir hatten keine Zeit zu verlieren, da ich spätestens um 19 Uhr die Lotsenstation Finkenwerder passieren darf, um noch in den Hafen zu kommen. Der Ballonführer wäre nur gern mit seinen zwei Leuten in Brunsbüttel ausgestiegen, da er seit 20 Tagen keine Post erhalten hatte.

Hierauf mischte sich der Begleitmann, der in Cuxhaven an Bord gekommen war, auf der Brücke ein und rief, "das liegt nur an den Lotsen, die wollen immer nach Hause, ich bin erst kürzlich nachts in den Hafen reingekommen, das sind die kleinen Hitlermänner, die fragen nicht danach, wenn solch arme Soldaten 20 Tage keine Post erhalten". Ich verbat mir diese Redensarten und sagte, er solle von der Brücke gehen, um mich in meinem Navigieren nicht zu stören. Hierauf kam der Mann auf mich zu und sagte, ich wüßte wohl nicht, daß er die Polizeigewalt an Bord hätte. Er verlangte meinen Pass und wollte dafür sorgen, daß ich nicht in Finkenwerder an Land käme. Ich sollte mit in den Hafen fahren, dort wollte er mich der Polizei übergeben. Ich verweigerte ihm meinen Pass, sagte aber meinen Namen. Später bei Schulau kam er wieder zu mir, da er meinen Namen nicht glaubte. Ich habe ihn dann meinen Namen vom Pass abschreiben lassen.

Da die Sache nicht erledigt sein wird, ersuche ich hiermit den Ältermann, gegen den Begleitmann ganz ernergisch einzuschreiten, um endlich Klarheit zu erlangen, ob der Lotse oder der Begleitmann das Sagen auf der Brücke hat.

Georg Lührs

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Schreiben des Bezirkszollkommissar G (Cuxhaven) an den Ältermann der Elblotsen (Hamburg)
Cuxhaven, d. 18 Juli 1944

Betr. Beschwerde des Lotsen G. Lührs über einen Begleitmann
Ihr an die Schiffbegleitstation Waltershof gerichtetes Schreiben vom 04.07.1944

Der Hilfszollbetriebsassistent Thordsen gibt den Sachverhalt im Wesentlichen zu. Er ist über seine Aufgaben als Begleitmann auf Schiffen nochmals eingehend belehrt worden.

Ich habe auch die Sache zum Anlaß genommen, die Männer meiner Schiffbegleitstation darauf hinzuweisen, daß sie sich um Sachen, die sie nichts angehen, nicht zu kümmern haben. Sie haben darauf bedacht zu sein, stets in bestem Einvernehmen mit dem Lotsen ihre Aufgaben zu erfüllen.

Ich sehe die Angelegenheit, die ich im Interesse einer reibungslosen Zusammenarbeit bedaure, damit als erledigt an.

Ich bitte, auch die Lotsen anzuhalten, ihre vielfach nicht freundliche Einstellung zu unseren Männern zu ändern.

gez. Unterschrift